… zum Beispiel mit Clean Space
Eine Frage, die wir uns in der systemischen Beratung immer wieder stellen, ist: Wie viel muss ich eigentlich über das Anliegen und die Lösungsfantasien meiner Klient*innen wissen, damit ich einen guten Rahmen geben kann, in dem die Klient*in ihren eigenen Weg finden und gehen kann?
Manche Berater*innen sagen: Je weniger, desto besser. Denn: Je weniger ich weiß, desto leichter fällt es, mein Gegenüber wirklich seine eigenen Lösungen finden zu lassen und mich auf die Struktur der Lösungsfindung zu konzentrieren. Ganz ohne Wissen um die Lebens- bzw. Arbeitssituation meiner Klient*in, ohne ein gewisses Verständnis, wird andererseits der Beziehungsaufbau, und das Herstellen von Vertrauen schwierig. Empathie, und das Erkennen der Situation bleiben wichtige Bestandteile der Beratungsbeziehung. Die genauen Kenntnisse über Inhalte sind dafür aber oft weniger wichtig als gedacht und manchmal sogar hinderlich, um mit einem hilfreichen Abstand beraten zu können.
Im Folgenden setzen wir also voraus, dass es schon gelungen sei, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen Klient*in und uns als Berater*in aufzubauen. Das sehen wir als die Voraussetzung für jede Beratung und ganz besonders für eine systemische Beratung, die sich aus inhaltlichen Fragen so weit wie möglich heraushält.
Mit „Clean Space“ haben wir eine Methode kennengelernt, die Beratung weitgehend ohne konkretes Wissen über das Anliegen, den Kontext und die Lösungsfantasien der Klient*in auskommt und gerade dadurch eine besondere Kraft entfalten kann. Besonders spannend ist die Methode für uns auch, weil sie mit dem physischen Raum arbeitet und damit einen körperlich-räumlichen Ausdruck für Perspektiven und eine Fragestellung ermöglicht.
Was also macht „Clean Space“ mit einer Fragestellung, einer Herausforderung?
Vereinfacht gesagt, gibt es dem Thema zunächst einen Ort im Raum. (z.B. in Form einer beschriebenen Karte). Damit ist es schon mal nicht mehr in uns, sondern kann als etwas anderes betrachtet werden. Im zweiten Schritt geben wir dann auch uns selbst einen Ort im Raum, der uns mit unserem Thema in Beziehung setzt. Das kann weiter entfernt oder näher dran sein – entscheidend ist, dass wir selbst und das Thema an zwei verschiedenen Orten miteinander in Beziehung stehen.
Von hier aus stellen wir die Frage: „Was weißt du hier über das Thema?“ Und dann: „Was weißt du hier noch über es?“ Diese Frage wird so oft wiederholt, bis alles gesagt scheint. Wenn das so ist, fordern wir die Klient*in auf, dem Ort einen Namen zu geben, diesen aufzuschreiben und den Ort entsprechend zu markieren. Nun sucht die Klient*in einen anderen Ort im Raum. Und jetzt fragen wir wieder: „Was weißt du hier über es (das Thema)?“ Und dann auch nach einiger Zeit wieder: „Was weißt du noch?“ Auch dieser Ort bekommt einen Namen.
Auf diese Weise werden sechs Orte im Raum gefunden, die jeweilige Perspektive betrachtet und im Raum markiert. Anschließend werden alle Orte noch einmal besucht und auch in Beziehung zu den anderen Orten gesetzt. Dabei leiten diesmal Fragen wie „Was weißt du hier über… (den Ort/die Perspektive) dort? “ In diesem sehr spannenden Moment wird das Beziehungsgeflecht aus Perspektiven sichtbar.
Im letzten Schritt kehren wir zu unserem ursprünglichen, ersten Ort zurück und stellen noch einmal die Frage: „Was weißt du jetzt hier über es?“ Damit kehren wir wieder zu uns selbst zurück, jetzt aber mit dem reichhaltigen Wissen um die anderen Perspektiven. Hat sich unser Denken, unsere Haltung, unser Erleben dem Thema gegenüber verändert? Wie war es vorher? Wie ist es jetzt?
Als Begleiter*in können wir unsere Klient*in durch diesen Prozess führen. Wir stellen Fragen, gehen aber nicht inhaltlich auf die Antworten ein. Wir achten auf ein angemessenes Timing, wir geben die Struktur, damit sich die andere Person auf die Inhalte konzentrieren kann. Wir begleiten auf dem Weg durch die Gedankenwelt unsere*n Klient*in, ohne diese Gedanken inhaltlich zu steuern. Das ist eine Haltung, mit der wir auch sonst an Beratungen herangehen möchten. Bei Clean Space wird in besonderer Weise deutlich, wie das funktionieren kann.
Das ist gerade unsere Perspektive auf Clean Space. Ganz im Sinne von Clean Space wissen wir, dass es noch viele weitere gibt. Mehr zu Clean Space findet ihr z. B. im Buch von James Lawley und Marian Way „Erkenntnisse im Raum“. Vielen Dank außerdem an dieser Stelle an Markus Rettich, durch den wir Clean Space kennenlernen durften.


